Schreibkurs: Teil 1 - Vorwort

Vorwort

 

Viele Leute träumen davon irgendwann einmal in ihrem Leben ein Buch zu schreiben. Dabei muss es sich nicht einmal um einen Bestseller handeln, sie wollen einfach unter die Autoren gehen und etwas "für die Nachwelt" festhalten. Seien es ihre Gedanken, ihre Erlebnisse, ihre Kochrezepte oder was auch immer. Es gibt dabei unbegrenzte Möglichkeiten und genau diese Vielfalt kann viele überfordern.

Lass mich raten: Du bist auf diesen Artikel gestolpert, weil du genau dasselbe denkst. Du hast dir in den Kopf gesetzt ein Buch zu schreiben und suchst nun etwas Starthilfe. Das ist an sich natürlich kein Problem, doch zum Verfassen eines Werkes gehört schon etwas mehr als nur zu Schreiben. Sicher, wenn man erstmal fertig ist kann man sagen, dass das kein Problem war und es doch ganz einfach schien. Das berichten jedenfalls auch manche Autoren, die sich meiner Meinung nach damit jedoch selbst belügen. Denn die Wahrheit ist, dass es teilweise verdammt anstrengend, ermüdend, nervig und demotivierend sein kann sich dem Schreiben zu widmen. Der größte Feind eines jeden Autos ist deswegen auch die Demotivation.

Sehr viele Leute fangen auf dem falschen Wege an ein Buch zu schreiben. Sie setzen sich einfach hin, öffnen ein Schreibprogramm und tippen darauf los. Natürlich, bei manchen mag das funktionieren und es kann dabei auch etwas ganz Tolles herauskommen, aber bei den Meisten enden solche Schreibsessions damit, dass ein halbfertiges Buch irgendwie über Jahre hinweg auf ihrer Festplatte verstaubt, während der Autor schon längst vergessen hat, dass er es überhaupt geschrieben hat.

Deswegen stelle ich dir in diesem Vorwort zunächst fünf sehr wichtige Fragen, die du dir stellen solltest, bevor du mit dem Schreiben beginnst. Darüber kannst du selber gut herausfinden wo deine Gefahren bei einem Schreibabbruch liegen und wie ernst du es mit deinem Vorhaben meinst.

1. Frage: Warum willst du ein Buch schreiben?

 

Wie im Vorwort bereits erwähnt gibt es unterschiedliche Gründe dazu mit dem Schreiben eines Buches zu beginnen. Manche tun es um ihr Wissen weiterzugeben, andere um ihr Wissen unter Beweis zu stellen. Wieder andere tun es aus einer Laune heraus und manche machen es sogar nur, um anderen eins auszuwischen.

Stelle dir selber die Frage, wieso du die Strapazen eines Schreibprozesses auf dich nehmen möchtest und wie ernst du es damit meinst. Wenn du beispielsweise nur ein Buch schreiben willst, weil du denkst, ich habe gerade nichts anderes zu tun und will das mal probieren, dann bist du sehr anfällig für den größten Feind des Schreibers: Die Demotivation. Jeder kennt die berühmte Schreibblockade. Ein Fall, bei dem man nicht mehr weiter weiß und auch eigentlich gar keine Lust mehr hat, sich mit seiner Geschichte zu beschäftigen. Ich verstehe das, schließlich ärgerte ich mich selbst auch schon damit herum.

Auch dem Einfach-drauf-los-schreiben stehe ich kritisch gegenüber: Denn häufig sorgt dies dafür, dass sich der berühmte rote Faden einer Geschichte völlig verheddert und auch dies die Demotivation des Schreibers steigern kann, da man sich selbst kaum noch zu helfen weiß.

Hast du dir allerdings die Idee eines eigenen Buches schon eine ganze Weile durch den Kopf gehen lassen, sogar schon eine Ahnung was und worüber du schreiben möchtest und dir selbst klar gemacht, dass das lange dauern und ein ganzes Stück Arbeit sein wird, dann steht dem Schreibbeginn eigentlich nicht mehr viel im Wege.

 

2. Frage: Wie stellst du dir das Schreiben vor?

 

Wenn man Leute auf der Straße fragen würde, wie sie sich die Arbeit eines Autoren oder einer Autorin wohl vorstellen, dann würde man ohne Zweifel häufig von einer Person hören, die munter auf ihrem Laptop herumtippt und dabei wahre Meisterwerke hervorbringt. Hach, wenn es doch nur so wäre...

Tatsächlich ist das Schreiben ein langer und teils sehr mühsamer Prozess. Ich vergleiche es gerne mit dem Backen eines Kuchens. Wenn man den frisch gebackenen Kuchen in der Bäckerei bewundert, dann ist das Endprodukt wirklich toll. Aber meistens sieht man die anstrengende Arbeit dahinter kaum. Man muss die Zutaten besorgen, sie ordnen, eine Anleitung suchen und befolgen, sowie alles richtig vermengen. Anschließend gut backen, dann noch verzieren und erst jetzt ist der Kuchen fertig.

Zuerst muss man sich Gedanken darüber machen, was man überhaupt schreiben will und wie das aussehen soll. Danach muss man sich eine gute Story ausdenken, festhalten, strukturieren und ausbauen. Das alles noch vor dem eigentlichen Schreibprozesse. Erst dabei verrührt man sozusagen alle Zutaten, alle seine Ideen und versucht eine passende Story zu kreieren, bzw. anzupassen und auszubauen. Wer glaubt, dass nach dem Schreiben dann doch endlich Schluss sei, der irrt. Denn anschließend muss der Schreiber oder die Schreiberin noch den Text selbst korrigieren, Sachen streichen oder hinzufügen und glaube mir eines: Man staunt als Autor jedes Mal erneut, wie blind, blöd oder bescheuert man selbst sein kann (so können Schränke in einem Kapitel noch klein und rot, im Nächsten aber groß und weiß sein)

Wenn du dir über die Anstrengungen des Schreibprozesses bewusst bist und weist, dass da eine ganze Menge Arbeit auf dich zukommen wird, du aber bereit bist diese zu bewältigen, dann hast du die besten Startvoraussetzungen für dein eigenes Werk!

 

3. Frage: Habe ich genug Motivation dazu?

 

Zugegeben, diese Frage steckt in den beiden anderen Fragen auch schon mit drinnen, aber sie ist eben auch die Wichtigste, die sich ein angehender Autor oder eine angehende Autorin stellen sollte. Es gibt nichts schlimmeres als ein halbfertiges Buch auf der eigenen Festplatte verstauben zu lassen. Ein Buch zu schreiben erfordert sehr viel Motivation. Oft wirst du dich fragen, wieso du das überhaupt tust. Auch wirst du dir Gedanken darüber machen, was passiert, wenn einfach abbrichst. Wenn es dir ernst ist, dann bleibe aber unbedingt am Ball! Auch die besten und größten Autoren haben Schwierigkeiten damit, ein Buch in einem Rutsch fertig zu schreiben. Ich selbst habe auch Wochen, wo ich einfach überhaupt keine Lust habe. Oft muss ich mich selber an den Schreibtisch zwingen und damit meinen inneren Schweinehund besiegen. Sobald ich dann aber beginne zu Schreiben, läuft alles fließend, nur eben der erste Schritt zum Anfangen ist der Schwerste. Mache genügend Pausen und schreibe besser keine Nächte durch. Oft kann es auch helfen deine Schreibsessions gezielt zu planen und in deinen Tagesablauf zu integrieren. So könntest du beispielsweise jeden Sonntag schon um sechs aufstehen. Während die Kinder und der Rest des Hauses dann noch in Ruhe ausschläft, hättest du genügend Zeit dich ganz um dein Werk zu kümmern. Lasse deine Freunde und deine Lieben mal Teile deines Werkes lesen. Im Idealfall erhältst du dadurch positives Feedback, was dich zusätzlich antreiben kann. Das alles sind Maßnahmen, um deine Motivation zu steigern und dein Demotivationsrisiko zu senken. Wenn du selber schreibst wirst du schnell feststellen, dass die Unlust und die Demotivation zu deinen schlimmsten Feinden gehören.

 

4. Frage: Wieso tue ich mir das dann überhaupt an?

 

Auch die Frage nach dem "Wieso" ist eng mit den anderen Fragen verknüpft. Wenn du ein Buch nur schreibst, um die Langeweile zu besiegen oder um jemandem eins auszuwischen, dann wirst du sicherlich weniger Erfolg haben. Falls du dir über die Ernsthaftigkeit dieser Sache allerdings bewusst bist und nicht nur das gute Geld im Blick hast (glaub mir, mit einem Buch eines unbekannten Autoren wirst du definitiv nicht reich), dann hast du auch hier gute Startbedingungen. Du solltest nur dann Schreiben, wenn du wirklich Spaß an der Sache hast. Es muss dir eine Art Genugtuung verschaffen, wenn du dein fertiges Manuskript in den Händen hältst und es stolz den Leuten zeigen kannst, die dich entweder unterstützt oder aber nicht an dich geglaubt haben.Wenn deine Schreibgründe ernst gemeint und gut durchdacht sind, dann kann dir dein eigenes Buch auch gut gelingen.

Ich halte an dieser Stelle auch noch einmal fest, dass auch das Schreiben einfach aus der Laune heraus zu tollen Ergebnissen führen kann. Aber aufgrund dessen, dass dies eher selten der Fall ist, würde ich den meisten Menschen davon eher abraten.

5. Frage: Was will ich mit einem Buch überhaupt?

 

Auch diese Frage leitet sich quasi aus den anderen ab. Aber ich möchte noch einmal ausführlich betonen, dass das Schreiben nicht gelingen wird, wenn man es nur des Geldes wegen tut. Als unbekannter Autor passiert es mehr als selten, dass das erste Buch ein Bestseller wird, beziehungsweise dass man überhaupt damit Geld verdienen kann. Es ist eher unwahrscheinlich vom Markt frisch entdeckt zu werden, dafür ist das Angebot heute schlicht und ergreifend zu groß. Wenn du aber in erster Linie für dich, deine Freunde oder deine Familie schreibst, dann solltest du auf jeden Fall dein erstes Buch versuchen. Im Idealfall stellst du fest, dass dir das Schreiben riesigen Spaß macht und es bleibt nicht bei einem Werk. Meiner Meinung nach kannst du dich auch erst dann einen waschechten Autoren oder eine waschechte Autorin nennen und deine eigene Art zu Schreiben weiterentwickeln und ausbauen.

Die Schreibtätigkeit ist wie ein klassisches Handwerk: Bei den Wenigsten kommt am Anfang etwas Gutes heraus. Erst Übung macht den Meister, so erging es auch jedem großen Schriftsteller unserer Zeit, beziehungsweise vergangener Zeiten.

 

Und dann?

 

Konntest du diese Leitfragen ehrlich beantworten? Bist du noch immer überzeugt von der Idee ein Buch zu schreiben oder es zumindest einmal zu versuchen? Ja? Wunderbar! Dann steht dir eigentlich nichts mehr im Wege. Der erste Schritt ist meistens der, den viele Autoren schon gemacht haben, bevor sie sich zu einem Buch entschließen. Du benötigst eine Idee. Aber was genau ist das eigentlich? Wie baut man sowas vernünftig aus und was kann als Inspiration dazu dienen?

Das alles erfährst du im zweiten Teil meines Schreibkurses!

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