Rezension: "Eine kurze Geschichte der Zeit" von Stephen Hawking (Sachbuch)

Ich habe es endlich geschafft dieses Werk zu lesen, was mich schon seit einiger Zeit reizte. Stephen Hawking genießt nicht umsonst den Status eines Genies, soviel sei verraten :)

 

Das Sachbuch von ihm trägt den Neugierde erweckenden Titel "Eine kurze Geschichte der Zeit" und erschien bereits 1988! Doch das Buch wurde vom Rowohlt Taschenbuch Verlag immer wieder aktualisiert und so las ich eine Neuauflage aus dem Jahr 2016.

Wie der Titel bereits treffend andeutet, erklärt Hawking in dem Buch tatsächlich die modernen Betrachtungsweisen auf das Konstrukt der Zeit und verwendet dabei eine gelungene Hinführung, die selbst Laien zur Verständlichkeit verhilft.

So beginnt er mit der "Vorstellung vom Universum" heutiger Wissenschaftler und geht anschließend auf die vielen Errungenschaften der Physik ein. Dabei erklärt er gekonnt physikalische Phänomene wie die "Unschärferelation", das "Raum-Zeit-Konstrukt" oder aber die Theorien der Elementarteilchen. Er schafft mit seiner Einführung für die Leser*innen quasi erst einmal eine Basis, welche nötig ist, um die Definition von Zeit genau zu erfassen.

Letztlich setzt er sich sogar mit den Folgen der Ergebnisse dieser Theorien auseinander, indem er die durchaus spannenden Fragen nach Wurmlöchern, Zeitreisen und schwarzen Löchern auf wissenschaftlicher Basis angemessen erläutert.

 

Wie bereits angedeutet sagte mir der Inhalt des Werkes sehr zu. Hawking erklärt dabei auf einfache und sehr verständliche Art und Weise die modernsten, verrücktesten und teilweise kompliziertesten Theorien des 21. Jahrhunderts. Dabei verzichtete er gänzlich auf mathematische Beweisführungen oder Herleitungen, sondern richtete sein Augenmerk eindeutig eher auf das Verstehen der Materie.

Sein Schreibstil ist sehr flüssig und eindeutig angenehm beim Lesen. Da es sich aber um ein Sachbuch handelt, sollte man es konzentriert lesen, um entsprechend auch folgen zu können. Ich musste selbst die Erfahrung machen, dass es eben kein Roman ist, den man so mir nichts dir nichts einfach überfliegen konnte. Sehr humorvoll finde ich auch die kleinen Anekdoten in den Kapiteln, die passend eingeworfen sind. So erzählt er beispielsweise von Gesprächen mit befreundeten Wissenschaftskollegen oder von Wetten, die er leider verloren hatte, darüber aber gar nicht traurig war. Ich für meinen Teil musste jedenfalls immer mal wieder schmunzeln.

Seine Argumentation ist entsprechend sehr schlüssig und eigentlich für jeden Leser*in nachvollziehbar. Sollte man doch weitere Fragen haben, muss man sich entsprechende Fachliteratur heranziehen, auf die Hawking allerdings leider nicht verweist.

Dieses Sachbuch fällt also wahrscheinlich eher in die Kategorie der Übersichtswerke.

 

Bevor ich das Buch las, muss ich zugeben, dass ich keine Ahnung hatte, was mich erwarten würde. Vom Titel alleine konnte ich kaum erahnen, dass er mir einen Rundgang durch die komplette Geschichte der modernen Physik vermitteln würde und noch viel weniger, dass ich am Ende des Buches in der Lage sein würde, die groben Züge des Universums und was es zusammenhält verstanden zu haben. Dieser Überraschungseffekt war Hawking eindeutig gelungen.

Auch als lobenswert empfand ich die klare Abgrenzung seiner eigenen Meinung. Durch seinen Schreibstil erkennt man als Leser*in deutlich, wann Hawking die Fakten der Physik wiedergibt und wann er seine eigene Meinung äußert. Ansonsten hat man bei Sachbüchern häufiger das Problem, dass der Autor einem "seine" Meinung als die einzig "richtige" aufschwatzen will. Hawking verzichtete auf diesen Effekt komplett und grenzt es deutlich ab, was für mich ein Indiz für seine Professionalität darstellt.

Clever gemacht hat er auch den Einsatz der Religion in seinem Erklärungskontext. Ich hätte nicht vermutet, dass er sich mit der Existenz eines Gottes auseinandersetzt. So erklärt der Physiker aber immer wieder, welche Fragen aus den beweisbaren Phänomenen der Physik für die Existenz eines Gottes auftauchen, ohne sie dabei zu beantworten! Somit ist der Leser*in selbst gezwungen sich eine Meinung zu bilden. Es liegt also auch hier an einem selbst für sich zu entscheiden, ob ein Gott oder mehrere in der Welt der Physik Platz haben.

 

Fazit

 

Hawking beschreibt, in seinem Buch "Eine kurze Geschichte der Zeit", sehr anschaulich und für jeden verständlich die modernen Theorien und Begebenheiten der Physik. Auch geht er dabei auf die Wissenschaftsgeschichte, der Frage nach einem Gott und den Träumen nahezu aller Science-Fiktion-Fans nach. In einem wissenschaftlichen Kontext erläutert er, was man bereits alles über die Zeit, das Universum, die Elementarteilchen oder aber den Urknall herausgefunden hat und wie man dies in unsere moderne Welt-, beziehungsweise Universumsvorstellung einordnet.

Durch den lockeren und offenen Schreibstil, die einfachen und anschaulichen Erklärungen und den netten Anekdoten ist dieses Buch eigentlich für jeden geeignet, der ein Interesse an der Physik oder an Fragen zu den Theorien, wie der String-Theorie, interessiert ist. Vorkenntnisse sind nicht unbedingt von Nöten, könnten aber hilfreich sein.

Als Leser widerfährt einem häufig der sogenannte "Aha-Effekt", wenn man plötzlich doch etwas verstanden hat, was der alte Physiklehrer einem versuchte mit Formeln und Zahlen zu erklären, bei denen es einem schon kalt den Rücken lief. Hawking verzichtete auf diese Mathematisierung und geht dabei nur auf die wesentlichen Grundüberlegungen ein, die es für den Laien verständlicher und anschaulicher machen.

 

Von mir erhält dieses Buch eine klare Kaufempfehlung, weil den Lesern*innen schnell die Berührungsängste im Bezug auf physikalische Begebenheiten nehmen kann und definitiv Lust auf "mehr" macht.

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