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Vergessene Weihnachtsbräuche

Die meisten von uns kennen Weihnachten als die besinnlichste und ruhigste Zeit des Jahres. Wir kaufen und verschenken Geschenke, wir essen gemeinsam mit der Familie und Freunden, wir pflegen das Schmücken des Weihnachtsbaumes und warten sehnsüchtig unter dem Mistelzweig. Aber wusstest du, dass es früher Weihnachtstraditionen gab, die noch viel skurriler waren?

Die Weihnachtsgurke

Bis vor ungefähr 100 Jahren war die berühmte Weihnachtsgurke auch in Deutschland noch eine beliebte Tradition. Doch während sie hier nur noch in wenigen dörflichen Regionen gelebt wird, erlebt sie in den USA ein regelrechtes Comeback. Dabei hängt eines der Elternteile eine ganz normale Gurke irgendwo in den geschmückten Tannenbaum. Natürlich gut versteckt. Anschließend dürfen die Kinder den Raum betreten und begeben sich sogleich auf die Suche nach dem unauffälligen Dekorationsgegenstand. Das Kind, das die Gurke als erstes gefunden hat, erhält dann ein ganz besonderes, zusätzliches Geschenk an Weihnachten. Und das nur wegen eines grünen Gemüses in einer Tanne.

 

Anklöpfeln

Auch das sogenannte „Anklöpfeln“ ist heute ausgestorben, war zu früheren Zeiten aber eine Tradition mit Sinn. Obdachlose und arme Menschen haben heute glücklicherweise diverse Hilfsangebote und ehrenamtliche Organisationen, die sich um sie kümmern. Früher aber gab es so etwas noch nicht. Da nutze man die besinnliche Weihnachtszeit, um an die Güte der Mitmenschen zu appellieren. Ärmere Leute sind von Haus zu Haus gewandert und haben angeklopft. Sie boten den Hausbesitzern spannende Geschichten und Gedichte, im Gegenzug fragten sie nach einer Kleinigkeit vom Festtagstisch, um selbst satt zu werden. Diese Tradition soll den Herbergsumzug von Maria und Josef in der christlichen Weihnachtsgeschichte symbolisieren.

 

Räucherung

Glaubst du an böse Geister? Nein? Das tun heute wahrscheinlich auch die Wenigsten. Aber früher war das anders. Gerade zur Weihnachtszeit nutze man die Gelegenheit der guten Geister und räucherte sein gesamtes Haus aus, um Böses zu vertreiben. Diese Räucherung musste zwischen dem 25.12 und dem 6.01, also dem Königstag, passieren. Verbrannt wurden dabei zumeist aromatische Kräuter aus dem vorangegangenen Sommer, die man getrocknet und gut gelagert hatte. Ganze 12 Nächte lang musste das ganze Haus von den Dämpfen und dem Rauch eines Räucherfeuers umgeben sein. Erst dann war man sich sicher alle bösen Geister vertrieben zu haben. Überwiegend praktiziert wurde diese Weihnachtstradition von christlichen Familien. Da fragt man sich natürlich, welche Geister der Gestank von Minze und Lavendel nicht den Gar ausmachen kann?

 

Der Bohnenkönig

Heute schon eine Bohne verspeist? Auch diese Weihnachtstradition wurde lange praktiziert und in abgespeckter Art und Weise existiert sie sogar noch heute in Deutschland! Im frühen Mittelalter war es gutes Brauchtum am 5. Januar, am Vorabend des Königstags, gemeinsam mit der Familie einen Kuchen zu essen. Irgendwo in diesem Kuchen befand sich aber eine kleine Bohne versteckt. Jeder erhielt ein Kuchenstück und die Person, die die Bohne schließlich schmeckte, erhielt den Titel „Bohnenkönig“. Der Finder wurde an diesem Abend sogar belohnt, denn es wurde aus dem Rest der Familie recht schnell ein fingierter Hofstaat gezaubert und für den neuen König ein großes Festmahl errichtet. Fragt sich nur, was man nach einem leckeren Stück Kuchen noch essen wollen würde?

 

Der Weihnachtsbrief

Besonders im berliner Raum gab bis vor etwa 100 Jahren noch eine Weihnachtstradition, die heute vielen befremdlich vorkommen dürfte. Zu der Zeit konnten Kinder sich nicht immer sicher sein, ob die eigenen Eltern noch mit Gunst und Güte auf sie schauten. Dabei waren sie aber von ihnen abhängig und wollten keinesfalls verstoßen werden. Deswegen nutzen Kinder die Weihnachtszeit und schrieben Briefe, zusammen mit bunten Bildern und Gedichten. Natürlich in bester Schönschrift, versteht sich. Mit diesen Briefen wünschten sie ihren Eltern alles Gute für ein neues Jahr und vergewisserten sich so, dass die elterliche Fürsorge noch bestand. Dabei wurde aber stets gesiezt. Das sah dann etwa so aus:

 

„Sehr geehrte Frau Mama, sehr geehrter Herr Papa - Ich danke Ihnen für dieses vorzügliche Jahr, indem ich in Ihrem Hause wohnen durfte. Ihr habt stetig für mich gesorgt und euch herausragend um mich gekümmert… Mit hochachtungsvollen Grüßen, Ihre Tochter Tabea“.

 

Später drehte sich das Spielchen um und man geht davon aus, dass der berühmte Weihnachtswunschzettel aus dieser Tradition hervorging. Ich denke, die meisten Eltern würden heute bei solch einem Brief von ihrem Nachwuchs eher skeptisch schauen, als sich wirklich geehrt zu fühlen.

 

Es gibt also Weihnachtstraditionen, die heute einfach keine Beachtung mehr finden und so gut wie ausgestorben sind. Aber auch welche, die regelrecht ein Comeback feiern, wenn auch nicht Deutschland. Natürlich ist dies nur ein kleiner Ausschnitt. Welche Weihnachtstraditionen fallen dir noch ein, oder haben du und deine Familie vielleicht noch eine andere, neue Tradition im Petto?

 


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