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Wie entsteht eine Stadt?

Im ersten Band meiner Garta-Trilogie kommen Gero Barn und Marta Preit auf die total verrückte Idee eine eigene Stadt zu planen und zu bauen. Da stellt sich natürlich die Frage: Wie sind heutige Städte eigentlich entstanden?

Die Theorien über Stadtentstehung

Es gibt sehr viele Ideen und Theorien, wie Städte entstanden sind. Hierzulande beschäftigt sich die Regionalwissenschaft als Disziplin mit dieser Frage und untersucht folglich die Stadtentwicklungen in Deutschland.

Vielen ist gemein, dass sie die Landwirtschaft als Grundlage haben. Auch heute hat nahezu jedes Dorf einen landwirtschaftlichen Betrieb inne und das war früher nicht anders. Denn je näher die Leute beim Landwirt wohnten, desto einfacher hatte man es mit den Lebensmitteln. Es gab früher noch keine Möglichkeit Lebensmittel zu lagern oder länger haltbar zu machen, entsprechend konnte verderbliche Lebensmittel nicht weit transportiert werden, wie bestimmtes Obst. Nur Haltbareres, wie Kartoffeln, schafften ihren Weg über die langen Handelswege. In den USA ist eine sogenannte „Ringtheorie“ führend. Diese teilt die Stadt in verschiedene Zonen ein, etwa dem Zentrum, den Arbeiterwohnvierteln, dem Gewerbe, etc. Dann aber gibt es Streit darüber, ob sich alle gleichzeitig und gleichmäßig entwickelt haben, da sie voneinander abhängig sind, oder aber ob sie unsymmetrisch nach und nach gewachsen sind. Vorrangig wird aber eine Stadtentwicklung von Innen, also dem Zentrum mit dem Markt, nach außen hin favorisiert. Die Stadt war schon früher für die Leute attraktiv, denn sie bot eine stabile Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen, hatte also eine Zentralversorgung inne. Letztlich muss man aber auch festhalten, dass jede Stadtentwicklung individuell ist und es schwierig ist, einen Weg für alle Städte der Welt festzumachen.

Anders hingegen war das im deutschen Mittelalter.

 

Mittelalterliche Städte

Nachdem das „Heilige Römische Reich deutscher Nation“ sich aus Deutschland zurückgezogen hatte, sind viele ehemalige römische Hochburgen schnell verwaist. Doch es entstanden auch neue Städte, die besonders die Landherren teilweise geplant hatten. Denn eine Stadt sicherte ihm zum einen seine Macht, zum anderen konnte er Zölle und Steuern erheben, was auch seinen Reichtum stabil hielt. Somit waren im Mittelalter Städte vor allem zum Geldverdienen geeignet. Gerade in der Nähe von Burgen und Schlössern entstanden schnell große Städte. Denn diese hatten immer wieder Baumaßnahmen zu bieten und das zog Handwerker an, die dann ihre Familien mitnahmen, was Menschen anzog, die dann wieder Händler von weit her anzogen und so weiter. Aufgrund dieser Verkettung und Verdichtung der Bevölkerung wuchsen die Städte besonders im Mittelalter stark an. Mehr Menschen bedeutete auch, dass sich zwangsläufig eine bessere Infrastruktur, mit Straßen und Gassen, entwickeln musste und es trieb die Stadtentwicklung auch generell stetig weiter.

Deutsche Städte etwa haben sich häufig an Kreuzungen von Handelswegen gebildet, da dort viele Händler unterwegs waren, was Leute und auch letztlich neue Landwirte anlockte. So geschah es beispielsweise auch in Bielefeld. Die Landesherren im Mittelalter versprachen mit ihren Städten aber auch Sicherheit, da diese mit Gruben, Wällen und großen Mauern und Stadttoren gut gesichert waren. Auf dem freien Land wurde man schnell Opfer von Räubern und Verbrechen. In einer ausgebauten Stadt wartete auf neue Einwohner letztlich auch eine sichere Oase.

Aber was geschah nach dem Mittelalter, in der Neuzeit?

 

Die Städte der Neuzeit

Ab 1850 veränderte die Industrialisierung ganz besonders die Städte. Die Erfindung der Eisenbahn und das damit einhergehende Wirtschaftswachstum zogen, aufgrund der Arbeit, viele Menschen in die Städte. Sie flüchteten geradezu aus den kleinen Dörfern. Das hatte zur Folge das entsprechende Städte anschwollen und sich schlagartig überall Hochhäuser und Mietskasernen in den Himmel rankten. Die vielen Menschen machten es letztlich auch nötig, ein städtisches System für Wasser und Abwasser, als auch für Elektrizität zu schaffen.

In den 20er Jahren entstand durch die Erfindung der Automobile und der damit neuen Mobilität ein neuer Schub und eine größere Herausforderung für die Städte zu. Es entwickelte sich in Folge ein innerstädtisches Verkehrsnetz, das immer enger wurde und auch öffentliche Verkehrsmittel wurden beliebter. Das führte dann letztlich auch erst zur Differenzierung einer Stadt in einzelne Viertel, so wie wir sie heute noch kennen und verwenden.

Aber das war noch kein schnelles Wachstum.

 

Rasantes Wachstum heute: Beispiel Dubai

Vor dem Jahr 1966 war Dubai selbst eher eine Kleinstadt, die kaum bis gar keine Bedeutung in der globalen Welt innehatte. Aber als man in diesem Jahr die riesigen Ölvorkommen des Landes entdeckte, ging es steil aufwärts. Der neue Reichtum beschwerte der Stadt ein Wachstum, das heute mit kaum einer Stadt auf der Welt vergleichbar zu sein scheint. Die Zügigkeit dieses Fortschritts erforderte entsprechend auch geplante Stadtviertel. Hier wurde nichts mehr dem Zufall überlassen, um letztlich selbst noch ein funktionierendes Verkehrsnetz aufweisen zu können. Und das von einer Stadt, die noch heute wächst, erst in den letzten 60 Jahren eine rasante Entwicklung hinlegt, aber eigentlich schon seit dem 18. Jahrhundert existiert.

 

Noch heute werden Millionenstädte am Reißbrett entworfen und gebaut. So gibt es in den arabischen Ländern geplante Städte, besonders aber auch in China. Diese sind nicht historisch gewachsen und werden vermutlich auch deswegen von der Bevölkerung nur wenig angenommen. Aber heutige bessere Stadtplanungskonzepte erweitern stetig die Effizienz unserer Städte und gerade Experten überschlagen sich mit Ideen, wie wir in der Stadt von Morgen leben werden.

Was ist deine Vorstellung? Wie sieht deine Stadt von Morgen aus?

 


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