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Insekten als Nahrungsmittel der Zukunft?


Sie krabbeln, sie sind klein, sie haben zu viele Beine und machen Geräusche, die einem eiskalt über den Rücken laufen können: Insekten. Manch einer bekommt beim Anblick einer kleinen Spinne schon einen Herzkasper. Kaum vorzustellen, dass wir sie daher auf unseren Tellern sehen wollen, oder etwa doch?

Warum wir Insekten als Nahrungsmittel brauchen

Der Mensch hat tatsächlich schon immer auch auf Insekten als Nahrungsquelle zurückgegriffen. Unsere Vorfahren verspeisten selbst zahlreiche kleine Krabbelviecher. In manchen Teilen der heutigen Welt, etwa in Asien, hat sich diese Tradition bis heute gehalten. Nur in den reicheren Ländern konnte man, dank Luxus im Überfluss bei der Fleischproduktion, darauf verzichten und es zum Tabu erklären. Aber so langsam wendet sich das Blatt, denn um die ganze Welt zu ernähren, wird man auf Insekten nicht verzichten können.

Um bald 10 Milliarden Menschen ernähren zu können, gibt es laut Experten von „National Geographic“ zwei Wege. Zum einen können wir die Gentechnik nutzen, um beispielsweise Fleisch aus Zellen, Butter als Algen oder gar Getränke, die eine ganze Mahlzeit ersetzen können, herzustellen. Die andere Idee wäre, zurück zu den Wurzeln zu gehen, also Insekten wieder in unseren Speiseplan mitaufzunehmen und alte, robustere und widerstandsfähigere Getreidesorten zu nutzen.

Im Jahr 2050 leben etwa 10 Milliarden Menschen auf unserem Planeten und die müssen natürlich alle ernährt werden, wobei Insekten helfen können. In Europa sind die Niederlande Spitzenreiter. Insgesamt 10 Insektenfarmen gibt es dort und auch als Lebensmittel etablieren sich die Krabbeltierchen immer stärker. Das ist durchaus ein positives Signal, denn bei der steigenden Weltbevölkerung wäre der Proteinbedarf über Fleisch nicht deckbar, aber über Insekten sehr wohl. Seit 2018 sind Insekten auch offiziell in der EU als Lebensmittel zugelassen und in den kommenden Jahren werden sie daher in immer mehr Produkten zu finden sein. Etwa 1900 Insektenarten sind vom Menschen zweifelsfrei verzehrbar, etwa Käfer, Raupen, Bienen, Wespen, Ameisen, Heuschrecken oder Grillen.

 

Vorteile von Insekten

Natürlich bieten sie auch etliche Vorteile.

Alleine schon die leichte Aufzucht der Tierchen spricht für sich, denn sie brauchen, verglichen mit Säugetieren wie Kühen oder Schweine, viel weniger Futter, produzieren weniger CO2, brauchen weniger Platz und können auch vertikal, also übereinander, gezüchtet werden (was in einem Kuhstall nicht wirklich funktioniert).

Zusätzlich ließen sie sich theoretisch auch mit Essensresten und Gartenabfällen füttern, was sie noch ökologischer macht.

Aber auch für unsere Ernährung bieten sie viele Vorteile, denn sie haben neben der beträchtlichen Anzahl an wichtigen Proteinen auch ungesättigte Fettsäuren und viele wichtige Minerale, die der menschliche Körper benötigt. Weiter benötigt man für einen Kilogramm Insekten nur 1,7 Kilogramm Futter. Bei Schweinen und Rindern sind das 5 bis 10 Kilogramm Futter, neben dem enormen Wasserverbrauch.

Aber selbst wenn der Mensch sie nicht essen will, so wäre es auch denkbar, Insekten als Futtermittel für andere Tiere einzusetzen und damit Ackerfläche freizugeben, auf der wiederum mehr Gemüse und Obst angebaut werden könnte.

 

Gibt es das nicht schon?

Ja, schon heute sind Insekten in den Supermärkten auf dem Vormarsch. Im Jahr 2018 experimentierten schon zahlreiche Supermärkte mit Produkten, in denen Insekten verarbeitet sind und erhielten überwiegend positives Feedback. Experten vermuten, dass sie einen ähnlichen Siegeszug wie Sushi nehmen werden. Zu Anfang ließen sich nur sehr wenige vom rohen Fisch im Reismantel überzeugen. Heute aber zählt es zu den beliebtesten Speisen und ist von unserer Speisekarte nicht mehr wegzudenken.

Wer nun aber das Bild von Grillen am Spieß im Tiefkühlregal hat, der täuscht sich. Hauptsächlich werden wir Insekten in verarbeiteten Lebensmitteln finden, zum Beispiel in normalen Nudeln, in denen statt Weizen- Insektenmehl eingearbeitet wurde. Steigt danach demnächst die Nachfrage, wird auch der Preis dieser Lebensmittel sinken.

Schon heute wird beispielsweise in manchen Produkten Grillenmehl untergemischt. Es enthält mehr Proteine, Grillen sind leichter zu züchten und die Verarbeitung ist nicht aufwändiger. Auf lange Sicht werden Insekten Fleisch zwar nicht vollständig ersetzen können, aber einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass es weniger verzehrt wird.

 

Was muss dafür noch passieren?

Damit Insekten als tägliches Nahrungsmittel genutzt werden können, muss besonders in Deutschland noch Einiges geschehen. So fordern die Verbraucherzentralen etwa mehr Hygienevorschriften und Regulierungen bei der Zucht und Verarbeitung von Insekten. Auch muss man auf eventuelle Allergien ausdrücklich hinweisen. Denn Forschende fanden heraus, dass Menschen, die eine Krustentierallergie aufweisen, häufig auch mit Insekten ihre Probleme haben.

Auch könnte man auf die Idee kommen das Züchten doch der Natur zu überlassen und einfach die Grillen und Käfer aus der Wildnis direkt auf unseren Teller zu hieven. Das würde aber zum einen das ökologische Gleichgewicht in der Natur durcheinanderbringen, weiter weiß man auch nicht sicher, was die Insekten in der Natur gefressen haben. Somit ist die Gefahr von möglichen Verunreinigungen und Gefahrenstoffen recht hoch, was sich nur durch gezielte Zucht ausschließen ließe.

Insgesamt ist der Forschungsbedarf noch recht hoch, aber der Siegeszug der Insekten dürfte nicht mehr aufzuhalten sein.

 


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