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Asteroidenbergbau

Wir alle brauchen sie. Wir alle sind von ihnen abhängig. Wir alle nutzen sie jeden Tag. Die Rede ist hier nicht von der Luft, die uns umgibt. Ich spreche von Rohstoffen, von Metallen, von seltenen Erden und vielem mehr. Ein großes Problem, dem wir teilweise schon heute begegnen, ist aber, dass diese Rohstoffe auf unserem Planeten begrenzt sind. Unser verschwenderischer Umgang mit Ihnen hilft da nicht wirklich weiter. Aber es gibt eine Idee, oder gar keinen Ausweg, der der Menschheit als Ganzes völlig neue Möglichkeiten geben könnte. Ich spreche vom Bergbau im Weltraum, oder genauer vom Asteroidenbergbau.

 

Was ist Asteroidenbergbau?

Ganz salopp gesagt: Man möchte gerne mit einem Weltraumbagger zu Asteroiden fliegen, die dortigen Rohstoffe abbauen und zur Erde bringen.

So banal das Ganze auch klingen mag, es kann sich richtig lohnen! Asteroiden sind größtenteils Ansammlungen von Staub und Gestein, die eine Menge an wertvollen Edelmetallen, Mineralien und seltenen Erden enthalten können. Es gibt Asteroiden, die so groß und so viel Material enthalten, dass ein einzelner mehrere Milliarden US-Dollar wert wäre.

Auch die Forschung stimmt dem zu. Im Jahr 2011 wurde eine Studie in den USA durchgeführt, die untersuchte, ob es möglich wäre Asteroiden einzufangen und auf eine Umlaufbahn um den Mond zu schicken, wo sie dann in aller Ruhe abgebaut werden könnten. Tatsächlich ist das sogar recht gut machbar! Auch besteht die Möglichkeit Stoffe aus den Atmosphären anderer Planeten zu ernten, beispielsweise CO2 aus der Atmosphäre des Jupiters, oder Methan vom Mond Titan. Mit diesen könnte man Treibstoff im Weltall herstellen, um von Planet zu Planet zu reisen. Selbst der Mond ist ein begehrtes Ziel. Dort liegt sogenanntes Helium-3 vor, welches für die Kernfusion auf der Erde gebraucht wird. Diese Technologie wiederum könnte uns tatsächlich eine unbegrenzte Möglichkeit an sauberer und reiner Energie zur Verfügung stellen.

 

Lohnt sich das überhaupt?

Denkt man nun aber an die Kosten, die schon eine einzelne Weltraummission der NASA oder ESA bereits abverlangen, dann muss man sich fragen, ob sich der ganze Aufwand überhaupt lohnt oder nicht doch zu risikobehaftet ist.

Tatsächlich sieht die Wirtschafts- und Finanzbranche aber großes Potenzial in diesen Geschäftszweigen des sogenannten „New Space“ und investiert kräftig in entsprechende Start-ups. Man darf nicht vergessen, dass alleine in Erdnähe Rohstoffe von mehreren Billiarden Dollar ungenutzt umherschwirren.

Insgesamt gibt es beim Asteroidenbergbau global gesehen aktuell zwei große Firmen, die hart daran arbeiten das Ziel umzusetzen. Diese heißen „Planetary Ressources“ und „Deep Space Industries“. Forschende schätzen, dass es allein in Erdnähe etwa 15.000 Asteroiden gibt, die quasi nur darauf warten genutzt zu werden. Man unterscheidet sie in drei verschiedenen Klassen. Die erste ist die steinhaltige S-Klasse. Diese Asteroiden bestehen größtenteils aus Mineralien und bieten an sich erst einmal keinen größeren Mehrwert. Die zweite Klasse ist die C-Klasse. Diese meint Asteroiden, die reich an Kohlenstoffen sind und damit eine begehrte Ressource darstellen, nicht zuletzt einen Baustein des Lebens. Die Dritte ist die metallische M-Klasse. Sie beherbergt die Edelmetalle. Die letzten beiden Klassen sind somit für den Bergbau im All die lukrativsten. Dank der Spektrographie lassen sich schon von der Erde aus Rückschlüsse darauf ziehen, woraus der beobachtete Asteroid bestehen muss. Natürlich macht diese Art des Bergbaus neue Technologien nötig und auch die Frage ob dieser bemannt oder unbemannt geschehe soll ist noch nicht abschließend geklärt.

Sie bietet aber noch zwei weitere Vorteile: Zum einen kann der Asteroidenbergbau die Raumfahrtbranche insgesamt zu einer der lukrativsten überhaupt werden lassen, zum anderen wird sie die Planetenforschung beflügeln, den diese beschäftigt sich gerade über die Asteroidenforschung mit den großen Fragen, z.B. wie das Wasser auf die Erde kam und ob unser Leben aus dem Weltall kommt und über Asteroiden gereist ist, oder ob es sich doch erst hier auf dem Planeten entwickelt hat.

Diese neue Technologie bietet die Grundlage für die Besiedlung unseres Sonnensystems und letztlich auch für die darüber hinaus.

 

Rechtliche Fragen

Aber gerade die rechtlichen Aspekte sind noch ungeklärt.

Nicht zuletzt ist weiterhin unklar, wem das Weltall und die darin enthaltenen Ressourcen eigentlich gehören und wer was abbauen darf. Es gibt einen Weltraumvertrag von 1967, der in diesen Fragen aber sehr schwammig formuliert wurde und keinerlei rechtskräftige Rückschlüsse zulässt. Auch das erweiterte Mondabkommen von 1979 brachte keine größere Hilfe.

Stefan Hobe von der Universität Köln, Experte im Weltraumrecht, erläutert aber, dass die Zeit drängt. Schon heute gibt es Firmen, die sich genau darauf spezialisiert haben und auch Ländern sind schon viel weiter als die internationale Staatengemeinschaft. Luxemburg und die USA etwa verteilen bereits Genehmigungen für den Asteroidenbergbau. Diese sind zwar nur nationales Recht und eigentlich wirkungslos, trotzdem zeigt es, dass der Bedarf besteht. Dies ist eine Frage, die nur international über die vereinten Nationen abschließend geklärt werden kann, wie der Experte betont.

Auch Deutschland wünscht sich eine geltende Regelung von der UN. Vieles ist ungeklärt, gerade in Haftungsfragen. Wer haftet, wenn ein herabstürzender Asteroid eines Bergbauunternehmens Schäden auf der Erde verursacht? Dies ist nur eine der  vielen Fragen, auf die es aktuell keine Antwort gibt.

 

Neue Abschlüsse

Sogar die Bildungslandschaft ist der Politik voraus. An einer Universität im US-Bundesstaat Colorado ist es nämlich schon möglich einen Master in „Space Mining“ zu absolvieren. Dort soll man dann alle Grundlagen des Asteroidenbergbaus erlernen und damit den entsprechenden Firmen helfen können und neue Innovationen fördern. Das Studium behandelt die Grundlagen in der Erforschung, Gewinnung und Verwendung des Asteroidenbergbaus.

In Deutschland fordert der „Bund Deutscher Industrien (BDI)“ entsprechende Weltraumgesetze und Investitionen, hält sich sonst aber eher bedeckt. Deutsche Universitäten bieten solche Studiengänge übrigens nicht an.

 

Früher wurde der Bergbau im Weltraum noch belächelt und für reine Science-Fiction abgetan. Heute aber rückt diese Technologie immer weiter in den Bereich des Machbaren. Sollte es uns gelingen an diese Rohstoffe zu kommen, so eröffnen sich uns allen völlig neue Möglichkeiten, denn neue Jobs und eine völlig neue Branche werden geboren. Weiter wird es zwangsläufig irgendwann einmal nötig, dass wir weitere Rohstoffquellen anzapfen, denn unsere Erde hat nur endliche Vorräte, das Wachstum der Menschheit scheint aber nahezu grenzenlos zu sein.

 


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